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aus: Christian Huygens, Abhandlung über das Licht
Die hauptsächlichste Eigenschaft der Lichtbrechung besteht darin, dass ein Lichtstrahl, wie AB, der durch die Luft geht und schräg auf die glatte Fläche eines durchsichtigen Körpers wie FG fällt, im Einfallspunkte B so gebrochen wird, dass er mit der Geraden DBE, welche die Fläche senkrecht schneidet, einen Winkel CBE bildet, der kleiner ist als der Winkel ABD, den er mit derselben Senkrechten in der Luft bildete. Das Maass dieser Winkel findet man. wenn man um den Punkt B einen Kreis beschreibt, welcher die Strahlen AB und BC schneidet. Denn die von den Schnittpunkten auf die Gerade DE gefällten Senkrechten AD, CE, welche man die Sinus der Winkel ABD, CBE nennt, stehen unter sich in einem bestimmten Verhältniss, das bei allen Neigungswinkeln des einfallenden Strahles für ein und denselben Körper stets das nämliche ist. Beim Glase ist dies Verhältniss sehr nahe wie 3 zu 2 nnd beim Wasser nahezu wie 4 zu 3, und in ähnlicher Weise verschieden bei anderen durchsichtigen Körpern. Eine andere, der vorstehenden ähnliche Eigenschaft besteht darin, dass die Brechungen der in einen durchsichtigen Körper eintretenden und antretenden Strahlen reciprok sind. Wenn nämlich der Lichtstrahl AB beim Eintritt in den durchsichtigen Körper sich in die Richtung BC bricht, so wird sich auch die Gerade CB, wenn man sie als einen Lichtstrahl im Innern dieses Körpers ansieht, beim Anstritt in die Richtung BA brechen.
Alle diese Kreise haben nun zur gemeinschaftlichen Tangente die Gerade BN, d. h. dieselbe, welche von B aus als Tangente an den zuerst betrachteten Kreis SNR gezogen ist. Denn es ist leicht einzusehen, dass alle übrigen Kreise ebenfalls BN berühren und zwar von B an bis zum Berührungspunkte N, welcher zugleich der Fusspunkt des Lothes AN auf BN ist. Die Gerade BN also, welche gleichsam von kleinen Bogentheilchen dieser Kreise gebildet wird, begrenzt die Bewegung, welche die Welle AC an den durchsichtigen Körper mitgetheilt hat, und auf ihr ist diese Bewegung in grösserem Betrage vorhanden als überall sonstwo. Und darum ist diese Linie, wie bereits wiederholt dargelegt worden, die Fortsetzung der Welle AC in dem Augenblicke, in welchem ihre Stelle C in B angekommen ist. Denn es giebt unterhalb der Ebene AB keine andere Linie, welche wie BN die gemeinschaftliche Tangente aller jener Einzelwellen wäre. Will man [35] wissen, wie die Welle AC allmählich nach BN gelangt ist, so braucht man in derselben Figur nur die Geraden KO parallel zu BN und alle mit AC parallelen Linien KL zu ziehen. Die Welle CA wird also, wie man sieht, aus der Geraden in alle LKO nacheinander gebrochen und wird in B N wieder gerade. Da dies nach den früheren Darlegungen schon klar ist, bedarf es einer weiteren Erklärung nicht.
Hieraus erkennt man leicht die Hauipteigenschaft der Brechung, nämlich dass der Sinus des Winkels DAE stets das nämliche Verhältniss zum Sinns des Winkels NAF hat, welches auch die Neigung des Strahles DA sein mag, und dass dies Verhältniss dasselbe ist, wie dasjenige der Geschwindigkeit der Wellen in dem gegen AE liegenden durchsichtigen Mittel zu ihrer Geschwindigkeit in dem durchsichtigen Mittel gegen AF. Denn betrachten wir AB als den Radius eines Kreises, so ist BC der Sinus des Winkels BAC und AN der Sinus des Winkels ABN. Der Winkel ABC ist aber gleich DAE; denn jeder von ihnen bildet, zu CAE hinzugefügt, einen rechten Winkel; und der Winkel ABN ist gleich NAF; denn jeder von ihnen bildet mit BAN [36] einen rechten Winkel. Der Sinus des Winkels DAE verhält sich also zu dem Sinus des Winkels NAF wie B C zu AN. Aber das Verhältniss von BC zu AN war dasselbe wie das der Lichtgeschwindigkeiten in den gegen AE und gegen AF hin gelegenen Materien; folglich muss sich auch der Sinus des Winkels DAE zum Sinus des Winkels NAF verhalten wie die genannten Lichtgeschwindigkeiten. |
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